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24.11.2011

"Keine Chance für Frieden"

Am Ende gab es doch noch einen Funken Hoffnung: "Ich habe 30 Jahre in Ostberlin gelebt und hätte nie gedacht, dass die Mauer einmal wegkommen würde. Auf einmal war sie weg. Man darf auch als Palästinenser die Hoffnung nicht aufgeben",Am Ende gab es doch noch einen Funken Hoffnung: "Ich habe 30 Jahre in Ostberlin gelebt und hätte nie gedacht, dass die Mauer einmal wegkommen würde. Auf einmal war sie weg. Man darf auch als Palästinenser die Hoffnung nicht aufgeben", forderte eine Zuhörerin bei der gemeinsamen Veranstaltung von FDP und Bündnis 90/Die Grünen. Die beiden Stadtverbände hatten parteiübergreifend zu einem Vortrag von Herrn Zaki Alsaadawi eingeladen, der - selbst in Gaza geboren - eindrücklich versuchte, eine Seite des Konflikts zu beleuchten, die zuweilen in westlichen, gar deutschen Medien kaum Beachtung findet. „Wir Liberale kämpfen für das Recht, Informationen von allen Seiten zu erhalten", begrüßte FDP-Stadtverbandsvorsitzende Martin Keydel auch im Namen des Stadtverbandsvorsitzenden der Grüne, Uwe Flüß die Gäste im gut besuchten DRK-Vortragssaal und dankte dem Referenten ausdrücklich für sein Kommen. Zaki Alsaadawi begann seinen Vortrag mit einem Streifzug durch die Geschichte, "weil man erst durch die historische Kenntnis verstehen kann, wie es zu diesem Konflikt kommen konnte." Entscheidender Auslöser war 1948 die Gründung des Staates Israels, in deren Verlauf 750 000 Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben wurden und seither als Flüchtlinge in zweiter und dritter Generation leben. 2005 folgte der formelle Abzug Israels aus dem Gaza Streifen, ein Jahr später die ersten demokratischen in Wahlen, bei dem die Hamas-Partei eine deutliche Mehrheit bekam. "Das löste ein politisches Erdbeben aus", machte Alsaadawi deutlich. Hamas erkennt Israel als Staat nicht an, da es als Besatzungsmacht auftritt, Israel wiederum stuft die Hamas-Partei als Terroristen ein und deklariert den Gaza-Streifen als Feindesgebiet, den es komplett belagert. Der Referent berichtete nicht als Politiker, sondern als Betroffener, und das spürte man seinem engagierten Vortrag an. Mit Unverständnis kommentierte er den Mauerbau der israelischen Regierung, die sich zu über 80% auf dem palästinensischen Boden befindet. "Das ist kein Schutz, das ist Schikane." Auch die Siedlungspolitik und die zahlreichen Checkpoints mit scharfen Kontrollen tragen zu menschenunwürdigen Bedingungen bei. Von der westlichen, und insbesondere der deutschen Politik zeigte sich Alsaadawi enttäuscht. "Letzte Woche telefonierte ich mit meinem Vater, der mich fragte: Warum hasst uns diese Frau?" Gemeint war die Bundeskanzlerin. Dass es dabei um weit mehr geht als um Liebe und Hass, das war den Vortragsgästen am Ende des Abends deutlich geworden. "In absehbarer Zeit sehe ich keine Chance auf Frieden, weil ich glaube, dass beide Seiten nicht in der Lage sind, von sich aus Frieden zu schließen", kam der Referent zu einem düsteren Fazit. Wenn er sich von der deutschen Hoffnung und Erfahrung auf einen – nicht möglich gehaltenen – Fall der Mauer anstecken lassen würde, hätten beide Seiten an diesem Abend viel dazu gewonnen. Ohne Gräben zu vertiefen, hat Alsaadawi mit seinem Vortrag einen Beitrag für seine, die palästinensische Seite geleistet, durch die Vermittlung von Informationen, die in Deutschland nur sehr zurückhaltend verbreitet werden.